Sanierungsglossar

Faktischer Geschäftsführer

Unter faktischer Geschäftsführung versteht man ein oder mehrere Personen, die, ohne satzungs- oder sonst ordnungsgemäß zum gesetzlichen Vertretungsorgan einer Gesellschaft bestellt zu sein, die Geschicke der Gesellschaft so lenken, als wären sie ein Vertretungsorgan. (Quelle: Ringelspacher, Eva: Krisenmanagement aus Bankensicht, in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas / Werner, Henning (Hrsg.), Vahlen Verlag)

Familienunternehmen

Die Gründe für das Scheitern von Familienunternehmen sind nicht nur im operativen Unternehmen, sondern häufig auch in der Unternehmerfamilie zu suchen. Eine erfolgreiche Sanierung muss daher auch die Interessen und Bedürfnisse der Familienmitglieder einbeziehen. Dies gilt sowohl im Hinblick auf ihre Gesellschafterstellung und damit verbundenen strategischen Entscheidungskompetenzen als auch für die Nachfolge im operativen Management. (Quelle: Hettich, Christof/Kreide, Raoul: Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas/Werner, Henning, (Hrsg.), Vahlen-Verlag)

Financial Governance

In die Gruppe der „Financial Governance“ gehören Regelungen in Kreditverträgen, die das Unternehmen verpflichten, bestimmte Kennzahlen einzuhalten und darüber zu informieren. Hiermit können Kündigungsrechte oder Zinsanpassungsrechte verknüpft sein. (Quelle: Hettich, Christof/Kreide, Raoul: Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas/Werner, Henning, (Hrsg.), Vahlen-Verlag)

Forderungsanmeldung

Forderungen sind beim Insolvenzverwalter anzumelden (§ 174 InsO). Dieser führt auch die Tabelle (§ 175 InsO). Die Anmeldung der Forderungen ist auch noch nach dem Prüfungstermin möglich (§ 177 InsO), Eventualforderungen sind in voller Höhe anzumelden. Spätestens mit der Forderungsanmeldung sind – sofern nicht bereits geschehen -, dem Insolvenzverwalter die Absonderungsrechte (z.B. Globalzession, Sicherungsübereignung) mitzuteilen. (Quelle: Ringelspacher, Eva: Krisenmanagement aus Bankensicht, in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas / Werner, Henning (Hrsg.), Vahlen Verlag)

Forderungsverkauf

Es besteht die Moglichkeit des Forderungsverkaufs (in der Regel allerdings nicht ohne Preisabschlag) auf dem Sekundarmarkt. Die Bank hat die Entscheidung „hold or sell“ (halten oder verkaufen) zu treffen. (Quelle: Ringelspacher, Eva: Krisenmanagement aus Bankensicht, in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas / Werner, Henning (Hrsg.), Vahlen Verlag)

Forderungsverzicht

Beim Forderungsverzicht verzichtet ein Gläubiger vollständig oder teilweise („Haircut“) auf seine Forderung. Dies führt zu einer Entlastung der Passivseite der Unternehmensbilanz. Zudem entfallen Zinszahlungen. Der Forderungsverzicht führt ebenfalls zum Erlöschen akzessorischer Sicherheiten (Bürgschaften, Pfandrechte, Hypotheken). Steuerlich ist zu beachten, dass mit dem Erlöschen einer bilanzierten Verbindlichkeit ertragsteuerlich ein außerordentlicher Ertrag einhergeht („Sanierungsgewinn“). (Quelle: Hettich, Christof/Kreide, Raoul: Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas/Werner, Henning, (Hrsg.), Vahlen-Verlag)

Freigabeklausel

Zur Vermeidung einer nachträglichen Übersicherung werden in den Sicherheitenverträgen „Freigabeklauseln“ eingefügt, die eine Deckungsgrenze festlegen. (Quelle: Ringelspacher, Eva: Krisenmanagement aus Bankensicht, in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas / Werner, Henning (Hrsg.), Vahlen Verlag)

Fremdkapital

Fremdkapital ist grundsätzlich gekennzeichnet durch eine nur befristete Kapitalüberlassung, eine erfolgsunabhängige Rendite durch festen Zins und bis auf wenige Informationsrechte keine unternehmerische Mitwirkungsbefugnis. (Quelle: Hettich, Christof/Kreide, Raoul: Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen in: Modernes Sanierungsmanage­ment, Crone, Andreas/Werner, Henning, (Hrsg.), Vahlen-Verlag)

Fristentransformation

Verbindlichkeiten haben in der Regel bei kurzen Laufzeiten niedrigere Zinsen als bei langen Laufzeiten. Die Fristentransformation versucht diesen Zinsvorteil zu nutzen, in dem langfristige Forderungen kurzfristig refinanziert werden. Dieses damals von einer Tochtergesellschaft der Depfa Bank praktizierte Geschäftsmodell war einer der Auslöser der Bankenkrise. (Quelle: Hettich, Christof/Kreide, Raoul: Finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas/Werner, Henning, (Hrsg.), Vahlen-Verlag)

Fälligstellung

Bis zur Insolvenzantragstellung bestimmen sich die Ansprüche und Kündigungsmöglichkeiten nach den vertraglichen und gesetzlichen Bestimmungen (Darlehensvertrag §§ 488-490 BGB), die hier eine entscheidende Bedeutung haben. Voraussetzung für die Kündigung ist die fällige Forderung. (Quelle: Ringelspacher, Eva: Krisenmanagement aus Bankensicht, in: Modernes Sanierungsmanagement, Crone, Andreas / Werner, Henning (Hrsg.), Vahlen Verlag)

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